Haushaltsrede 2006
Rede von
Günther Langheinrich anläßlich der Stadtratssitzung zur Verabschiedung
des Haushalts 2006
FRB-Stadtratsfraktion 06. Dezember 2005
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
werte Kolleginnen und Kollegen,
die Zeit vergeht wie im Flug, wieder liegt ein neues,
sicherlich auch wieder anspruchsvolles Jahr vor uns, zu dem auch von
uns heute wieder ein Haushaltsplan beschlossen werden wird. Dass dies
bei uns fast schon traditionell bereits im Dezember des Vorjahres
passiert, liegt sicher auch an der rechtzeitigen und guten
Vorbereitung unserer Kämmerei, allen voran Herrn Kämmerer Grund, aber
auch an den zügigen und konstruktiven Vorberatungen
aller Fraktionen im
Hauptverwaltungsauschuss.
Ein Blick auf die große Politik
verdeutlicht die Schwierigkeiten, mit denen unser Land zu kämpfen hat.
Interessante, im Vorfeld von niemanden zu erahnende Wahlergebnisse bei
der Bundestagswahl 2005, machten es den Parteien nicht einfach, eine
stabile Regierung, die in den nächsten Jahren große Aufgaben zu lösen
hat, auf die Beine zu stellen. In der Bevölkerung keimt nun aber ein
kleines Hoffnungspflänzchen nach den zähen und turbulenten, aber
dennoch erfolgreichen Koalitionsverhandlungen der beiden großen
Parteien. Dies verbunden mit den Wünschen und Sehnsüchten nach
Stabilität und positiven Impulsen.
Stabilität und positive Impulse benötigen auch wir hier in unserer
Stadt Hersbruck. Ganz besonders was einem größeren und den unseren
Haushalt sehr stark belastenden Posten gilt, unserer Frankenalbtherme.
Das erste nun fast abgelaufene Wirtschaftsjahr müsste als Fehlstart
bezeichnet werden, wenn nicht im letzten Quartal eine überraschende
Verbesserung der Besucherzahlen eintreten wird. Nicht einmal annähernd
wurde der uns noch im Jahr 2004 prognostizierte Betrag abgeliefert,
den wir bitter nötig zur Bedienung des Kapitaldienstes bräuchten. Zwar
haben wir die vereinbarten Zins- und Tilgungsleistungen erbracht, dies
aber ausschließlich aus unserem regulären, ordentlichen Haushalt.
Viele andere wünschenswerte und notwendige Dinge können aus diesem
Grund nicht geleistet werden, was auf Grund der erfreulich positiven
Entwicklung der Gewerbesteuereinnahmen sonst möglich gewesen wäre.
Auch für das Haushaltsjahr 2006 sind die Prognosen, für den
Badbetrieb, nicht besser. Leider,
und dies betonen wir ausdrücklich, treffen nun die Dinge zu, auf die
wir mit unseren Warnungen wegen der Badfinanzierung hingewiesen haben.
Alle diese Warnungen haben, wie hier allen bekannt ist, nichts
genutzt, und jeder, der jetzt immer noch von Hoffnungen auf deutliche
Verbesserungen der Zahlen spricht, verkennt nach unserer Meinung die
Lage. Nicht Träumereien, sondern ein ausgeprägter Sinn für die
Realität ist nun gefragt. Es ist an der Zeit, sich gemeinschaftlich
Gedanken zu machen, wohin die wirtschaftliche Entwicklung unserer
Stadt führen soll, wenn sich nachhaltig nichts am Betriebsergebnis des
Bades verbessert. Ansonsten werden die ersten Einschnitte in andere,
den Hersbruckern liebgewordenen Bereiche, wie beispielsweise die
Reduzierung des Stadtbusverkehrs, nur der Anfang eines ganz straffen
Konsolidierungskurses sein müssen.
Noch ein paar Anmerkungen zur Erstellung der Frankenalbtherme. Trotz
der Insolvenz des Generalunternehmers „Walter-Bau AG“ kann die Stadt
Hersbruck mit dem Endergebnis zufrieden sein. Dies ist in erster Linie
ein Verdienst derer, die unmittelbar mit dem Bau der Therme befasst
waren, etwa dem Stadtbaumeister, dem zuständigen Controller oder dem
Bürgermeister. Auch wenn das heutige Ergebnis auf Entscheidungen
zurückzuführen ist, die dieses eher zufällig brachten. Einziger
Wehrmutstropfen hierbei: Entscheidungen und die daraus resultierenden
Ergebnisse musste sich jeder interessierte Stadtrat durch
unnachgiebiges Nachfragen und Recherchieren erarbeiten. Unrühmlicher
und aber auch versöhnlicher Abschluss war der wohl erstmals in
Hersbruck eingesetzte, so genannte Untersuchungsausschuss zu diesem
Thema. Das schafft alles, nur kein Vertrauen. Wir erwarten zukünftig,
wie auch schon bei anderen politischen Entscheidungen von uns
gefordert, mehr und vor allem zeitnahe Informationen aus dem Rathaus.
Nun zu weiteren, das Jahr 2005 beherrschenden Themen. Mit der
Neugestaltung des Rosengartens und der Umgestaltung des Oberen Marktes
stehen weitere größere Investitionen ins Haus, wobei von unserer
Fraktion eindeutig der Rosengarten Priorität besitzt, da er als Grün-
und Blumenfläche zwischen Altstadt und Thermalbad eine harmonische
Verbindung herstellen soll. Die vorgelegte Planung, die sich nach
unserer Meinung viel zu aufwendig darstellt und sich durch die
übertriebene Geradlinigkeit und Schematik in keinster Weise in den
Bereich Rosengarten einfügt, sollte sehr schnell verworfen werden. Es
muss an dieser Stelle auch nicht unbedingt wieder ein „Rosengarten“ in
der bisherigen Form angelegt werden. Eine leicht zu pflegende
Grünfläche, unterbrochen mit blühenden Pflanzen, mit
Ganzjahresblühern, natürlich auch mit Rosen, kann auch sehr
ansprechend wirken. Eine Wiederinstandsetzung des im Osten gelegenen
Springbrunnens und die Aufwertung des bestehenden Spielplatzes sind
weitere wichtige Bestandteile der Neugestaltung. Für all dies benötigt
man u. E. aber keine teure Planung so genannter Experten.
Auch die dem Bauausschuss
vorgelegten Entwürfe für eine Veränderung des Oberen Marktes führten
bisher nur zu Arbeitsaufträgen an die Fraktionen.
Gestaltungsvorschläge sollen nun also von den Stadträten selbst
kommen. Ideen dazu, da sind wir sicher, werden genügend vorhanden
sein. Beispielsweise werden Ganzjahresbuden in Festbauweise nicht
geeignet sein, da die meisten Marktbestücker mit eigenen
eingerichteten Verkaufswägen ausgestattet sind. Unser Wunsch ist es,
neben einer ansprechenden Gestaltung auch weitere, zusätzliche
Parkplätze am Oberen Markt zu schaffen. Dies ist auch ein wesentliches
Ergebnis, somit also ein Wunsch aller Beteiligten des von uns
veranstalteten „Runden Tisches“ zum Thema Innenstadtbelebung.
Das jüngste, aktuellste Thema ist sicher die Umnutzung des
Scheindelareals und der Bau des neuen Kreisverkehrs. Der gesamte
Stadtrat müsste eigentlich froh sein, dass ein ansprechender Investor
für dieses Objekt gefunden wurde. Das Gegenteil ist jedoch der Fall,
denn nur mit einer knappen Mehrheit von 5 zu 4 Stimmen im Bauausschuss
wurde die Aufstellung eines entsprechenden Bebauungsplanes
beschlossen. Die ablehnende Haltung der CSU im Bauausschuss mit der
Begründung einer nicht ausreichend architektonisch ansprechenden
Entwurfsplanung, verbunden mit dem Wunsch nach mehr Wohn- statt
Gewerbeflächen, können wir nicht nachvollziehen. Die Kollegen sprechen
hier sogar von der Bebauung eines „Filetstücks“ von Hersbruck. Im
Norden begrenzt durch die Bahnlinie mit einem enormen Zugaufkommen, im
Süden eingefasst von der Grabenstrasse, deren Verkehrsaufkommen auch
extrem hoch ist, verdient dieses Gebiet diese Bezeichnung unserer
Meinung nach nicht.
Bei der Errichtung des dadurch nötigen oder gewünschten Kreisverkehres
am bisherigen „Scharfen Eck“ herrschte jedoch dann wieder Einigkeit.
Zumindest was das Vorhaben an sich betrifft. Dies beurteilen wir sehr
positiv, da wir mit dem Bau des Kreisverkehrs nicht nur für eine
flüssigere Verkehrsführung, sondern auch für einen verminderten
Abgasausstoß sorgen. Auch wir haben zur Sicherheit der Fußgänger im
Bereich der Mühlstrasse einen „Zebra-Streifen“ gefordert, um gerade in
den bekannten Stoßzeiten den Schulkindern einen sicheren Übergang zu
gewährleisten. Sofern sich dieser Übergang rechtlich nicht
durchsetzten lässt, muss an dieser Stelle alles getan werden, um dort
eine, soweit möglich, ungefährliche Überquerung der Straße zu
gewährleisten. Leider haben wir hier kein Mitspracherecht, es sind
deshalb unsererseits nur Wünsche und Anregungen, denn die
Planungshoheit liegt für diesen Bereich beim Landkreis Nürnberger
Land, der dies bereits sehr deutlich gemacht hat.
Alle die zuletzt genannten Schwerpunktthemen zeigen, welche großen
Herausforderungen in den nächsten Jahren auf uns alle zukommen werden.
Umso wichtiger wird es sein, gerade in Zeiten leerer Kassen,
fraktionsübergreifend konstruktiv und kreativ zusammen zu arbeiten.
Dies jedenfalls ist der Wunsch von uns Stadtratsmitgliedern des Freien
Rathausblock auch für das kommende Jahr 2006.
Nun bedanken wir uns bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der
Stadtverwaltung für die geleistete Arbeit im ablaufenden Jahr,
besonders bei unserem Stadtkämmerer Herrn Grund für die Ausarbeitung
des neuen Haushaltsplans. Unseren Kollegen der anderen Fraktionen und
unserem ersten Bürgermeister Wolfgang Plattmeier sagen wir auch
herzlich danke für die Zusammenarbeit im Jahr 2005.
Die Fraktion des Freien Rathausblock stimmt dem Haushalt 2006 zu.
Günther Langheinrich
-Fraktionssprecher-
6.12.05/lh/ir
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